Seelensplitter

Viele sagen, dass man sich öffnen soll, um sich etwas zu entspannen. Um den Stress zu reduzieren. Jeder sieht nur seine Perspektive, aber ich brauche eine andere. Eine, die mir vielleicht die Augen öffnet. Ich bin 16 Jahre alt und habe die Schule bereits beendet. Schon seit meiner Geburt, war ich nicht besonders sozial. Während alle im Kindergarten darüber sprachen, was sie sich zum Geburtstag wünschen, fragte ich meine Mutter, warum wir sterben müssen. Was das Leben denn für einen Sinn hat, wenn es von einer Sekunde auf die andere vorbei ist und du nie wieder etwas mitbekommst. Es versteht sich natürlich, dass das von niemandem das Lieblingsthema war. Anstatt einer Antwort, bekam ich die kalte Schulter. So lief es jedes Mal. Und ich hörte auf, mit ihr über Dinge zu sprechen, die mir viel bedeutet haben. Ab der siebten Klasse wurde ich von den älteren aus meiner Schule gemobbt. Ich wurde von Leuten beleidigt, die ich noch nie zuvor bemerkt habe. Dementsprechend gab es für mich auch keine logische Erklärung, warum ich denn nun als "Bitch", "Schlampe" und "Hure" beschimpft wurde. Ich bin in dem Schuljahr erst 11 geworden. Das ging lange so weiter. Bis zur neunten Klasse hatte ich Angst vor denen. Vor den Fremden. Bis ich mich endlich jemandem anvertraute: meiner Klassenlehrerin. Sie sprach mit mir über meine Probleme, weil es mit mir steil bergab ging.Ich war 14, trank Alkohol als wäre es Erdbeermilch und rauchte wöchentlich Gras. Ich kam ab und zu mit einem blauen Auge, Schnittwunden und anderen Verletzungen zur Schule. Mein Vater war Alkoholiker. Meiner Mutter war ich egal. Zu der Zeit war ich krank und hatte oft Stress mit meinen Eltern. Ich hatte natürlich auch einen Therapeuten, doch es war schön, mal sofortige Hilfe bei einem Problem zu bekommen. Ich erzählte ihr von meinen Mobbern und sie fragte mich, warum ich darauf höre. Sie sind weder meine Freunde, noch wissen sie, wie es um mich steht. Sie wissen nichts. Sie vermuten nur. Seit diesem Satz, ließ mich jede Beleidigung kalt. Trotz meiner Fehltritte, die ich ihr alle gebeichtet habe, hielt sie zu mir. Es war ein schönes Gefühl. Ein fremdes Gefühl. Zu der Zeit war ich vergeben. Auch wenn ich noch sehr jung war, kann ich behaupten, dass es Liebe war. Wir kannten uns seit dem ich 11 war. Zwei Monate nach meinem 14. Geburtstag kamen wir zusammen. Wir trafen uns nicht oft, aber jedes Treffen war magisch. Und es passierte: unser erstes Mal. So schön es auch war: er änderte sich. Wir fingen an zu streiten. Und mit jedem Mal, wurde der Streit heftiger. Ich sah ihn höchstens zweimal im Monat, obwohl er gar nicht so weit weg gewohnt hat. Er machte mich fertig, aber ich konnte ihn nicht gehen lassen. Meine gesamte Existenz war von ihm abhängig. Ich hatte nur noch ihn, da sich sonst jeder nur noch um sich selbst gekümmert hat. Er hörte mir bei jedem Problem zu und war auch für mich da, als mein Vater handgreiflich wurde.Papas Erziehungsmethoden waren nicht die besten. Er war der Meinung, dass man nur durch körperlichen Schmerz lernt. Es war ihm egal, ob ich mich wehren konnte. Es war ihm egal, ob ich es verdient habe, oder nicht. Trotz allem verließ er mich im Sommer. Wir führten 10 Monate lang eine Beziehung. Sie war nicht perfekt, aber sie machte mich oft glücklich. Er hatte sehr viel mit anderen Mädchen zu tun, von denen er auch Nacktbilder hatte. Er war kein schlechter Mensch, aber er verletzte mich oft. Fast täglich, um genau zu sein. Ich durfte sein Handy nie in die Hand nehmen. Er war aber ständig an meinem. (Und trotzdem hatte er ein Vertrauensproblem). Ich weiß noch genau, wie ich bei ihm saß und mir die Tränen verkneifen musste, als ich die Nachricht von einer Freundin von ihm gelesen hab. "Hallo Schatz". - NEIN. "Hallo Schatz". - HALT DIE KLAPPE! "Hallo Schatz". - Ich glaube, ich ersticke."Hallo Schatz". - Der Schmerz erdrückt mich. Er nahm mich in den Arm. Sein Parfüm tröstete mich. Ich dachte nicht länger an die Nachricht. Es war wie weggeblasen. Allein wegen diesem Duft. Rosen und Parfüm. Er. Nach unserer Trennung wurde ich Depressiv. Seine derzeitige Freundin hat mich früher blockiert, als ich ihn am meisten brauchte. Mein Vater wohnte noch bei uns, erlitt aber das selbe wie ich. Eine schmerzhafte Trennung. Er versuchte oft sich das Leben zu nehmen. Auch vor meinen Augen.Er wusste es. Und trotzdem war er nicht da. Mein Vater erlitt kurz vor Weihnachten einen Herzinfarkt. Aber er war nicht da. Er war nie wirklich da.

18.1.16 22:05

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