Freitag, 13. Oktober 2017

Der Abend gestern war ganz entspannt. Nach dem Seminar bin ich mit einem aus der anderen Gruppe wandern gegangen. Es war ganz entspannend, sich mal mit jemandem zu unterhalten, der einen wirklich mag. Sein Lächeln beruhigt mich etwas, auch wenn ich ihn nicht oft ansehe. Er ist eine reine Seele und klärt seine Probleme nicht über drei Ecken.“Ich mache so viele Bilder. Auch gerne 10 von einem Objekt. Weißt du warum? Es sind unbezahlbare Momente. Ich war bisher kaum auf Reisen. Aber es ist ein schöner Moment. Ich möchte mir ein Buch anfertigen, in dem die schönsten Momente meines Lebens vermerkt sind. Und wenn es mir mal so richtig schlecht geht, sehe ich sie mir an und entspanne mich etwas. Nicht alles ist negativ, was negativ wirkt.“ Ich denke an das schöne Bild, das ich gemacht habe, als ich weinend am Fluss saß und mir das schöne Schloss angesehen habe. Der Anblick hatte etwas beruhigendes und ich musste es einfach mitnehmen. Es reichte nicht, es mir nur einzuprägen. Ich kam zum Fluss, weil es ein Platz war, der nicht beleuchtet wurde und der, obwohl es ein romantischer Ort war, nicht besucht wurde. Ich war allein, wollte weinen und schreien, aber es ging nicht. Mir ging es besser. „Du warst schon in Dresden.“ Ich halte kurz inne. „Du hast recht.“ „Aber da warst du nur auf der Couch.“ Ich merke, dass ich rot werde und laufe weiter. Er hat sich das tatsächlich gemerkt. „Und ich war mal in der Türkei. Aber da war ich noch klein.“ „Ich war schon sehr oft dort. Ich bin im allgemeinen viel gereist.“ „Wir müssen zusammen wegfahren.“ Weg von diesem Ort. „Wohin denn?“ Ich überlege. „Amsterdam. Das Zuhause der Drogen.“ „Du denkst ja weit.“ „Jeder Mensch hat Träume. Und ich träume davon, in einem Berg von Drogen zu schlafen. Danach können wir weitergehen.“ „Wohin?“ Ich drehe mich zu ihm um, bleibe stehen und strecke meine Arme in die Luft: „Wohin uns die Drogen auch bringen.“ Er beendet die Konversation mit einem Lächeln. ------- Wir gehen zusammen zum Abendessen, setzen uns zu seinen Kollegen an den Tisch und reden eine Weile über alles mögliche. In dieser Gruppe fühle ich mich gut aufgehoben. Sie sind wie ich. Sie lachen über die gleichen Witze, denken scheinbar gleich und haben in etwa die gleiche Art, die Dinge zu betrachten. ------ Wir sitzen an der Bar und ich bedauere, dass ich mein Geld vergessen habe. Einer von ihnen legt es mir aus und wir gehen wieder zu unserem Platz. 3 Minuten später ist das Glas leer. „Also wenn du den Gin schon wie Wasser trinkst, will ich echt nicht mit dir trinken gehen.“ Ich laufe rot an. „Vielleicht trinke ich nicht zu schnell,sondern ihr einfach zu langsam.“ „Wir genießen.“ ------- Ich habe inzwischen mein Geld geholt und bestelle jetzt meinen dritten Gin Tonic. Er ist wieder an der Bar halb leer. „Hast du dir jetzt nur das halbe Glas bestellt?“ „Nein, das Glas war an der Bar noch voll.“ Der Weg zu dem Raum, in dem wir sitzen, ist nicht besonders weit. ------ Freitag, 07:00 UhrIch will nicht aufstehen. Ich will noch etwas liegen bleiben. Seit ich hier bin, fühle ich mich müde und kaputt. Das wird daran liegen, dass ich mich hier so einsam und allein fühle. Also Alleinsam. Mein Koffer ist schon zur Hälfte gepackt, die andere packe ich später. Um 8 Uhr war ich dann beim Frühstück und habe mich zur Gleichen Gruppe wie gestern gesetzt. Der Tisch von meiner Gruppe war wieder zu voll und ehrlich gesagt verspüre ich auch kein Bedürfnis danach, mich in diese zu integrieren. Ich brauche Abstand von dem Hass, Abstand von diesem Kindergarten. ---- „Du solltest aufpassen, wem du etwas von deinem Leben erzählst.“ Madlen sieht mich streng an. Ich hoffe, dass sie nicht ausspricht, was ich denke. „Was meinst du? Was habe ich denn so schlimmes gesagt?“ „Dass es dir gesundheitlich nicht gut geht. Dass du eine Therapie brauchst.“ Mir wird schlecht. „Einige sehen nur so aus, als könnte man ihnen vertrauen. Aber das kann man nicht. Als du gestern gegangen bist, haben sie sich über dich lustig gemacht.“ Um mich herum wird alles so still. Ich habe das Gefühl, ich hätte Watte in den Ohren. Meine Körper fühlt sich wie gelähmt. Der Schmerz sitzt tief und wieder bildet sich in meinem Herzen ein Mix aus einer ätzenden, roten Säure und einer inneren Leere. Ich bin zu Müde für all das. ----- Ich bin aus der Klassengruppe ausgestiegen. Ich brauche keine Menschen um mich herum, die sich hinter meinem Rücken über mich lustig machen. Marcel lächelt mich an und mir wird schlecht. Marcel ist ein so lieber Mensch, er ist die Freundlichkeit in Person. Aber ich weiß nicht, ob er sich auch darüber lustig gemacht hat, dass ich krank bin. Ich zwinge mich zu einem Lächeln und drehe mich abrupt weg, bevor ich mich wirklich noch übergebe. Ich bin zu alt für diesen Quatsch. „Was ist ein Team? In der folgenden Aufgabe bekommt ihr ein Kärtchen, auf dem ihr aufschreiben sollt, was für euch ein Team ausmacht und was für euch in einem Team wichtig ist.“ Verdammt. Ich spüre das Brennen der Tränen in meinen Augen und kneife mir in den Oberschenkel, um den Schmerz in meinem Inneren auf etwas anderes zu übertragen. Es ist schon interessant zu sehen, wie gut das funktioniert. Wie man diesen inneren Schmerz, der kaum auszuhalten ist, auf etwas anderes übertragen kann. Das Mädchen steht auf und stellt ihre Karte vor. „Also für mich bedeutet es ein Team zu sein, wenn alle zusammenhalten“ Das glaubst du dir ja wohl selbst nicht. „und man, auch wenn es zu Komplikationen kommt, sich den Problemen stellt und nicht aus der Gruppe austritt.“ Und ins Gesicht sagen kannst du es mir nicht? Feiges Miststück. Versteck dich ruhig hinter deinen Karten und erstick an deinen Schmerzen. ----- Kommen wir nun zur nächsten Aufgabe. Diese wird etwas kreativer und gehört zum Bereich 'Marketing'. Ihr sollt versuchen, unseren Beruf näher an die Menschen zu bringen und dafür zu werben. Wie ihr das am besten macht, ist euch überlassen. Die Gruppen haben wir so eingeteilt, dass die Personen, die die Gelben und Orangenen Kärtchen hatten, in einem Team....“ Fuck. „....Und die Grünen mit den blauen in einem Team sind.“ In mir dreht sich alles. Ich bin mit dem Mädchen und denen, die weitererzählt haben, dass es mir nicht gut geht, in einer Gruppe. Die Angst und die Wut packen mich. Ich muss um eine Pause bitten. Ich platze sonst. Mein Körper teilt mir sehr gut mit, dass das für mich nicht zu stemmen ist. Wenn alle gehen, rede ich mit den Leitern. Die Tränen kommen. Fuck. Okay, ich muss mich erst einmal beruhigen. Ich hole mir ein Wasser und nehme ein Paar Schlücke. „Shawty? Kommst du?“ Eine aus meiner Gruppe ruft mich. „Ja. Trinke nur schnell aus.“ Sie geht vor und ich laufe brav hinterher. Bloß nichts anmerken lassen. Stark wirken, dass ist die Devise. Nur das zählt. Ich betrete den Raum und spüre die Wut in mir aufkocht. Ich würde sie am liebsten auf die Gleise werfen. Mir wird schlecht und diesmal kommt es mir fast hoch. Ich muss hier raus, sofort. „Ich geh kurz aufs Klo.“ Und schon bin ich weg. Auf der Toilette kommen dann die Tränen. Erst ohne Ton, dann folgt das Schluchzen. Ich übergebe mich fast, kann es aber noch halten. Ich muss sofort mit ihnen sprechen. Ich brauche einen Moment für mich. Eine Stunde. Maximal. Ich verlasse das Bad, packe mir ein Paar Tücher ein und gehe in Richtung Seminarraum. Und da läuft sie – das Mädchen und eine der Verräterinnen. Ich kann da jetzt nicht lang. Ich gehe nach draußen und schnappe ein wenig Luft. Und da überkommt es mich wieder: Die Tränen laufen, mein Magen dreht sich um, mein Körper wird schwach. Ich muss mich abstützen, um nicht zu fallen. Ich brauche einen scharfen Gegenstand, ich muss es jetzt einfach tun. Ich kneife mir so fest ich kann in den Arm und zieh es lang. Ich schürfe mir etwas Haut ab und sehe ein wenig Blut. Es reicht noch nicht, aber es ist ein Anfang. Ich atme noch einmal tief ein und gehe los. Es ist mir egal, wer da ist. Es ist mir egal, wer mich sieht. Die Wut packt mich und gibt mir Mut. „Shawty! Wir haben dich überall gesu.... Was ist denn los?“ Ich antworte nicht, strecke ihr nur meine Hand entgegen. Abwehrhaltung. Ich sage kein Wort. Die Verräterin guckt mich an: „Shawty? Alles okay?“ Ihr würdige ich nicht einmal mehr eine Geste. „Shawty! Rede mit mir!“ Fick dich. Ich gehe in den Raum und versuche mich zusammenzureißen. Noch bevor ich etwas sagen kann, breche ich in Tränen aus und halte mir die Hand vor's Gesicht. „Shawty. Sagen Sie nichts, wir gehen in einen Raum und reden dort.“ Ich nicke. Die Verräterin blockiert den Ausgang. „Shawty. Rede doch mit mir.“ „Geh bitte. Geh einfach!“ „Gehen Sie bitte. Sie möchte jetzt nicht mit Ihnen darüber reden.“ Der Leiter bekräftigt meine Aussage und sie geht. Ich setze mich auf den Stuhl des Raumes und spüre, wie die Tränen mein Gesicht einnehmen. „Entschuldigen Sie bitte.“ Er antwortet nicht. „Okay. Ich bin bereit.“ „Was ist passiert, Shawty?“ „Seit ich hier bin, machen sich alle über mich lustig.“ „Wer?“ „Devlin. Und die, die immer bei ihr sind.“ „Und worüber?“ „Darüber, dass ich krank bin.“ Er nickt und scheint zu überlegen, was er jetzt sagt. „Haben Sie schon mit ihnen darüber geredet?“ „Ich kann jetzt nicht mit ihnen reden. Ich bin viel zu aufgebracht, das würde nicht gut enden.“ „Ich verstehe. Und was wollen sie jetzt von mir?“ Arschloch. „Eine Pause. Ich will meine Mutter anrufen und mich etwas beruhigen.“ „Na gut. Eine Stunde.“ Ich nicke und er verlässt den Raum. Ich habe eine Stunde.

4.12.17 20:48

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