Montag, 02. Oktober 2017

Ich brauche einen neuen Namen für mich. Ich will hier nicht ständig „XMXYH“ schreiben. Da ich zur Zeit eh einen heftigen Ohrwurm von einem bestimmten Lied habe, und der Typ das Mädchen dort „Shawty“ nennt, nenne ich mich hier auch mal so. Viel Spaß beim Lesen; Shawty war wieder böse: Es regnet und ich will trinken. Ich hatte am Wochenende so viel Spaß – bis auf den Vorfall mit Simon natürlich. Ich habe viel getrunken, habe die Kontrolle verloren, konnte nicht nachdenken und habe einfach nur mein Leben gelebt. Das passiert so selten, dass es mich süchtig macht. Ich finde es aber auch traurig. Andere genießen das Leben täglich auf diese Weise. Ich schalte nur mit Alkohol und Drogen ab. Und selbst dann ist noch nicht klar, ob das wirklich funktioniert. Ich fühle mich schon wieder so ungeliebt, obwohl mir so viele Menschen hinterher laufen. Und wieder habe ich nur eins im Kopf: Dylan. Ich habe wirklich gedacht, dass das aufhört. Ich weiß, es ist nicht lange her, aber es tut weh. Ich habe mich zwischendurch bei ihm gemeldet und er hat mich ignoriert. Bin ich ihm wirklich so wenig wert? Nach all dem? Nach den süßen Blicken? Den roten Wangen? Den Verführungen? Den Tagen, an denen er nur zu mir gekommen ist, weil es mir schlecht ging? Kein Sex, nur reden. Das habe ich ihm gesagt, bevor er zu mir gekommen ist. Und er war da. Er hat mich an diesem Abend erst geküsst, nachdem er mich gefragt hat, ob ich das möchte.Würde das jemand tun, der so gut aussieht und praktisch jeden haben kann? Nein. Ich bin das nicht wert, wenn man mich nicht gern hat. Aber er mag mich ja nicht. Gott, was hat er nur in mir gesehen? Hat er überhaupt etwas in mir gesehen? Ich verstehe ihn einfach nicht. Ich verstehe gar nichts mehr. -----Ich sitze bei Charly auf der Couch, genau wie ich es gestern getan habe. Ich war mit meinem besten Freund in Berlin und kurz darauf bei meiner Oma, um die Blumen abzuholen, die mein Bruder mir geschenkt hat. Charly hat mich gefragt, ob ich noch vorbeikommen möchte, da er sich mit ein Paar Freunden Football angesehen hat, daraufhin bin ich gegen halb 9 zu ihm gelaufen. Ich weiß nicht einmal, warum ich das gemacht habe, ich mag Football nicht. Und jetzt sitze ich wieder hier, nippe an meinem Glas Wodka-Energy und unterhalte mich mit seinen Freunden und seiner Schwester. Er sieht ständig zu mir rüber und jedes Mal ist es mir unangenehm. Er steht auf mich, seit meinem neunten Lebensjahr, um genau zu sein. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das möglich ist. Ich sah früher wirklich schlimm aus. Ich sehe jetzt auch nicht wirklich gut aus, zumindest bin ich nicht zu 100% zufrieden, aber früher war es wirklich schlimm. Er ist acht Jahre älter, was aber nicht schlimm ist. Sie sind immer älter als ich. Ich hab Vaterkomplexe. Das kann man auch sehr gut an meinen Ex-Freunden und den Typen sehen, mit denen ich geschlafen und ihren Namen vergessen habe. Ich kippe ein Glas nach dem anderen und merke, wie der Wodka meinen Kopf schwer werden lässt. Er verlässt den Raum und ich entspanne mich. „Sag mal, hat dein Bruder auch noch Saft da?“Ich muss wieder nüchtern werden, sonst stelle ich nur Blödsinn an „Keine Ahnung. Frag ihn doch?“ „Okay. Soll ich dir einen mitbringen, wenn er welchen hat?“ „Nein, danke.“ Ich laufe zur Tür und lehne mich gegen die Wand, weil ich sonst das Gleichgewicht verliere. Ich weiß nicht, ob er auf dem Klo oder in der Küche ist, also bleibe ich einfach im Flur stehen. Er verlässt das Bad und erschreckt sich, als er mich sieht. „Ich hab dich gar nicht gehört.“ „Ich hab ja auch nichts gesagt.“ Ich stoße mich von der Wand ab und gehe einen Schritt auf ihn zu. Er grinst mich an, tritt beiseite und fragt, ob ich auf die Toilette möchte. „Nein. Ich wollte fragen, ob du Saft hast.“ „Saft? Sehe ich so aus, als hätte ich Saft?“ Er lacht. „Ich weiß nicht. Tust du das?“ Er geht einen Schritt auf mich zu und mir wird heiß. „Was passiert, wenn ich dich jetzt küsse?“ Ich habe keine Zeit um zu antworten. Ich will es auch nicht. Seine Lippen sind weich und sein Bart kitzelt mein Kinn. Aber ich liebe dieses Gefühl. Ich löse mich von ihm und gehe ohne ein Wort zu sagen zum Wohnzimmer zurück. „Dein Bruder hat keinen Saft. Kannst du dir das vorstellen?“ Ich werfe ihr einen bösen Blick zu, drehe mich um und schenke Charly ein süßes Lächeln. Bloß nichts anmerken lassen.Wir trinken weiter, reden über alle möglichen Themen und spielen ein komisches Spiel auf der Konsole. Gegen halb zwei sind nur noch Charly und ich da. Er erzählt mir von sich, von seinem Leben, seinen Ex-Freundinnen, davon, dass er früher gern beim Sport war und wieder anfangen möchte und zeigt mir auf Anfrage ein Bild von seinem Körper, als er noch trainiert hat. Zwischen all den Bildern des wohlgeformten Körpers waren ein Paar Aktbilder, die er panisch schließt. Mein unteres ich meldet sich zu Wort. Ich küsse ihn. Erst leidenschaftlich, dann wild. Er packt mich, trägt mich zum Bett, legt mich sanft hin und legt sich auf mich. Es dauert nicht lange, bis wir miteinander schlafen. Er dringt immer tiefer ein, wird immer härter. Gott, wie ich dieses Gefühl vermisst habe. Seine Stöße werden härter und dennoch ist er so zärtlich. Er beißt in meinen Hals und ich stöhne auf. Stellungswechsel. Er kommt von hinten, packt meine Hüften und stößt erbarmungslos zu. Dringt tiefer ein als vorher. Ich spüre diesen Schmerz und werde immer feuchter. Er beugt sich zu mir. „Du bist so eng, Shawty.“ „Findest du?“ Ich drücke jeden Muskel zusammen, den ich in diesem Bereich zusammendrücken kann. Er stöhnt. „SHAWTY! Oh Gott!“ „Komm, Charly. Leg dich hin. Ich zeig dir, was ich alles kann.“ Kaum ausgesprochen, fällt mir auf, wie kindisch das klingt. Er gehorcht und ich tobe mich aus. Drei Stunden mit dem Vorspiel zusammen – bis sich seine Hände in meinen Hüften vergraben und er sich ein Stöhnen verkneift. Ich wäre auch fast gekommen. Aber eben nur fast. Ich küsse ihn. „Gern geschehen, Baby.“ Er lacht leise. ------ „Wir müssen unbedingt zur Apotheke.“ „Ich weiß. Wir fahren gleich los.“ Er gibt mir einen flüchtigen Kuss und verlässt das Zimmer. Warum sind alle so, mit denen ich was habe? Warum sind sie am nächsten Tag so abweisend? Warum sind sie so kalt? ---- „Was würdest du machen, wenn du schwanger bist?“ „Wie meinst du das?“ Ich sehe aus dem Fenster und betrachte die Bäume. „Na ja.. wirst du es behalten?“ „Ich glaube, ich stürze mich lieber die Treppen runter und breche mir das Genick.“ Er lacht. „Möchtest du es denn behalten?“ Ich antworte nicht, schaue weiter aus dem Fenster. „Ich bin bereit, Vater zu werden. Bei dir bin ich mir nicht so sicher.“ Ich sehe ihn an. „Ich will auch noch keine Kinder haben.“ „Ich wollte es ja nur gesagt haben.“ „Gut. Dann stell ich das Kind vor deiner Haustür ab und du kümmerst dich darum.“ Seine Miene verfinstert sich. Das Schweigen erdrückt mich noch. „Gehen wir am Freitag noch ins Kino?“ Diese Frage scheint ihn zu überraschen. „Natürlich.“ Und da ist es wieder – dieses Gefühl, dass ich versagt habe.

4.12.17 20:18

Letzte Einträge: Dienstag, 10. Oktober 2017, Freitag, 13. Oktober 2017, Sonntag, 10. Dezember 2017, Sonntag, 17. Dezember 2017

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