Categories

Letztes Feedback

Meta





 

Montag, 31. Juli 2017 THERAPIE - PAPA

„Was denkst du, welche deiner letzten Erinnerungen an deinen Vater ist die schlimmste? „Ich weiß nicht genau. Sie sind alle schlimm. Lassen Sie mich kurz überlegen.“ Ich schaue in dem Raum umher, in der Hoffnung, ich würde etwas finden, was mir beim Denken hilft. Der Raum ist hell eingerichtet, überall stehen Pflanzen. An der Wand steht ein helles Regal mit fein sortierten Akten, einem Wasserkocher und einer Tafel, die verschiedene Modis zeigt. „Ich denke, die schlimmste Erinnerung ist die aus der 10. Klasse. Ich wollte mich für die Schule fertig machen und mein Kater ist mir ins Zimmer gerannt. Es war ja nicht schlimm, er darf sich ja aufhalten, wo er will. Er hat sich aber auf meiner Bettdecke erleichtert, weil irgendjemand nachts die Tür zum Bad geschlossen hat. Da ich mich beeilen musste, habe ich mein Bettzeug im Bad in die Wanne gelegt. Ich hätte sie nach der Schule gewaschen. Ich bin zurück in mein Zimmer gegangen , habe mich angezogen und wollte gerade anfangen mich zu schminken, als ich meinen Kater laut schreien gehört habe. Ich habe alles fallen gelassen und bin so schnell ich konnte ins Badezimmer gerannt. Dort habe ich die Hand meines Vaters am Kopf des Katers gesehen. Er drückte sein Gesicht in den Urinfleck. Ich hab mit aller Kraft versucht, meinen Kater zu retten. Ich schubste meinen Papa weg, schrie ihn an und da das alles nicht geholfen hat....“ Ich schaue umher. Dieser Teil der Geschichte macht mich fertig. „Ich habe in der Ecke des Raumes einen Metallstab gesehen. Das einzige, was ich tun konnte, um meinen Kater und mich zu retten, ist ihm mit voller Kraft diese Stange an den Kopf zu schlagen. Ich hoffte, dass er bewusstlos umfällt. Aber er fiel nicht um. Er hat meinen Kater losgelassen und der rannte sofort unter die Couch. Dort würde mein Vater ihn auch nicht erreichen. Es sei denn, er würde sie ausbauen. Und dazu ist er zu faul. Er hielt sich am Kopf fest, drehte sich langsam in meine Richtung holte aus und schlug mit voller Kraft zu. Ich wusste, dass ich mich jetzt in großer Gefahr. Ich rannte mit Tränen in den Augen in mein Zimmer. Ich hätte nach draußen rennen sollen! Ich hätte weglaufen und die Polizei rufen sollen! Aber ich lief in mein Zimmer und er kam mir hinterher. Als ich in meinem Zimmer war, packte mich seine große Hand, wirbelte mich herum, drückte mich gegen die Wand und schob mich nach oben. Ich bekam keine Luft mehr. Ich spürte, wie mein Kopf rot anläuft und mir langsam schwindelig wurde. Meine linke Gesichtshälfte war taub und auf dem Boden sammelten sich Blutflecken. Ich dachte, es wäre jetzt vorbei. Meine Mutter kam aus ihrem Zimmer, sah mich und zerrte ihn weg. Er hat mich sofort losgelassen und ich fiel zu Boden. An alles, was noch an dem Tag ist, kann ich mich leider nicht mehr erinnern.“ „Er hat dich also gewürgt?“ „Ja, das hat er.“ „Hat er das öfter gemacht?“ „Nein. Das war das erste und letzte Mal.“ „Okay. In Ordnung. Kannst du dich noch an die erste gefährliche Begegnung mit ihm erinnern?“ Meine Hände werden nass und kalt. „Ja. Ich weiß nicht genau, wie alt ich war. Ich weiß auch nicht wie spät es war oder an welchem Wochentag es ist. Vielleicht war ich noch in der Kita oder in der ersten Klasse, ich war auf jeden Fall noch sehr, sehr klein und es war sehr spät am Abend. Ich weiß auch nicht mehr, was passiert ist. Ich weiß nur, dass er betrunken war und uns bedroht hat. Er hatte ein Messer in der Hand und hat versucht auf meine Mutter einzustechen. Diese wich aber aus, packte meinen Bruder und mich am Arm und schloss sich im Schlafzimmer ein. Sie lehnte sich weinend gegen die Tür, damit er sie nicht aufbrechen konnte. 'Ich werde euch kriegen! Und ich werde euch töten! Einen nach dem anderen!'“ Ich höre seine Stimme noch heute bedrohlich in meinem Hinterkopf aufschreien. Noch heute hör ich die Tritte und Schläge gegen die Tür. Noch heute spüre ich mein Herz so stark vor Angst schlagen. Noch heute sehe ich das Messer in der dunklen Nacht aufblitzen. „'Ich habe die Nachbarin angerufen. Sie wartet oben auf euch. Wenn ich es euch sage, rennt ihr sofort zu ihr und kommt nicht mehr her! Egal, was passiert! Habt ihr mich verstanden?' Mehr weiß ich leider nicht.“ „Ich hätte nicht gedacht, dass das alles in dem Ausmaß stattgefunden hat. Ich habe deinen Vater ja kennengelernt. Er wirkte auf mich sehr freundlich und nett.“ „Das tun sie alle. Aber sie sind es nicht“ „Pass auf, unsere Stunde ist jetzt vorbei. Aber wir werden in der nächsten weiter darüber reden.“

6.8.17 18:08

Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen