Über

Ich werde hier auf meinem Blog weder meinen Namen, noch Namen von den Leuten nennen, über die ich schreibe. Dieser Blog ist nur für mich, um meine Gedanken mal zu sortieren und mir einiges von der Seele zu reden bzw. schreiben. Viel Spaß beim Lesen, XMXYH

Alter: 18
 


Werbung




Blog

Mittwoch, 11. Oktober 2017

Ich bin um 7 Uhr aufgewacht und ins Bad gegangen. Ich habe das Licht eingeschaltet und habe überlegt, warum ich mich schon so früh fertig mache und mich daraufhin wieder ins Bett gelegt. Mich hat wieder niemand gefragt, ob ich mitkomme zum Essen. Also warum aufstehen? Ich kann auch erst um acht kommen. Da sind dann schon alle fertig und ich kann mir einreden, dass sie nicht auf mich gewartet haben, weil sie schneller im Raum sein wollten. Es ist armselig, traurig und tut weh. Aber der Gedanke, dass ich den anderen einfach nur egal bin, ist viel schmerzhafter. Als ich in der Mensa ankam, saßen alle noch an ihren Tischen. Verdammt. Warum essen sie noch? Warum sind sie noch nicht fertig? „Guten Morgen“ Ich hole mein schönstes Lächeln raus und tue so, als hätte ich mir gestern Abend nicht gewünscht, dass ich vor einen fahrenden Zug springe. Sie würdigen mir nicht einmal einen Blick. Mein Herz bricht. Okay. Kein Problem. „Wo warst du gestern?“ Ich drehe mich um und sehe eine aus meiner Klasse, die mich verunsichert ansieht. „Ich hatte Migräne und bin dann ins Bett gegangen.“ Glaubst du mir? „Wirklich? Oder ist etwas passiert?“ Ich bin kein Buch, hör auf in mir zu lesen. Mein Herz rast. „Alles okay. Das passiert mir sehr oft, wenn das Wetter sich so schnell ändert.“ „Also geht es dir gut?“ Nein, verdammt nochmal. Ich will sterben. „Alles bestens. Danke.“ Sie ist die einzige, die mich tatsächlich fragt, ob alles okay ist. Aber kurz danach wechselt sie kein Wort mehr mit mir. Wie der Rest der Klasse, nur machen die sich nicht mal die Mühe, so zu tun, als wäre ich anwesend. ----- Wir sitzen im Seminarraum und ich lache über den Witz, den eine aus meinem Team gemacht hat. Den versteht nicht jeder. Und es tut gut, eine von den wenigen zu sein. Es ist mein erstes echtes Lachen heute. „Kann die mal aufhören zu übertreiben?“ Trotz dessen, dass ich lache, kann ich das hören. Ab jetzt setzt das künstliche Lachen ein. Die Wut steigt in mir auf und ich würde ihr am liebsten den Tisch, der hinter mir steht, in ihre abgrundtief hässliche Fresse werfen. Die Seminarleiter sitzen neben ihr, sagen aber kein Wort. Sie wissen, dass ich labil bin. Aber bisher hat sich noch nie jemand dafür interessiert, ob mich etwas verletzen könnte oder nicht. ------ Wir sitzen wieder beim Essen und ich habe mich zu den anderen gesetzt. Ich habe einer aus meiner Klasse angeboten, ihre Tasse mitzunehmen, da ich meine gerade auch wegbringen wollte. Als ich wieder an meinen Platz kam, pampte mich das Mädchen, dass mir die letzte Tage immer wieder einen Spruch drückt, wieder an. „Da war doch eben noch ein Platz frei.“ Sie guckt in die Runde, bleibt mit dem Blick an mir hängen, guckt mich genervt an und meint: „Aha. Jetzt sitzt also Shawty da.“ Ja, Bitch. Ich saß auch vorher da. Park deinen breiten Arsch auf einem anderen Stuhl. Am besten in einem anderen Universum. ------ Ich laufe so schnell die Straße herunter, dass sich die Menschen nach mir umdrehen. Die denken bestimmt, ich hätte irgendwas geklaut. Aber das ist mir jetzt egal. Ich will weg von hier; weg von diesem Ort. Ich saß eine Stunde lang in meinem Zimmer und habe geweint. Seit ich hier bin, weine ich täglich. Ich will nach Hause. Zurück zu meinen grauen Wänden, meinem einsamen Bett, den schwarz-weißen Möbeln, der Kälte, die einen jeder Raum dort spüren lässt. Genau da fühle ich mich wohl. Das ist meins. Ein Ort, den ich wie meine Seele gestalten kann. Ein Ort, an dem alles seinen Platz hat und niemand da ist, der mich verletzen kann. Ein Ort, an dem ich sein kann, wer ich bin. Ein Ort, an dem ich jede Droge, jeden Alkohol, jeden Schnitt und jeden fremden Typen genießen kann, ohne mir danach etwas anhören zu müssen. Es ist mein kleiner Zufluchtsort; mein Rettungsboot. ------ Mein Handy klingelt, aber ich denke nicht im entferntesten daran, zu antworten. Ich bin vor ihnen weggelaufen, weil ich sie satt habe. Ich habe niemandem gesagt, wo ich bin. Das wollte ich auch nicht. Am Ende hätte einer mitkommen wollen. Ich wollte wenigstens für eine Stunde weg von dem Hass, von den ganzen Schmerzen. ----- Ich laufe die Straße entlang und sehe eine aus meiner Klasse. Ich verkrieche mich in die Seitengasse und hoffe, dass sie mich nicht bemerkt. Das tut sie auch nicht. Gott sei Dank. Ich beschließe, auch von hier zu gehen, obwohl der Platz an der Kirche ganz entspannt war. Ich renne die Straße herunter und bleibe abrupt stehen, als ich Madlen in der Ferne erkenne. Kann ich noch weggehen? Aber es ist zu spät, sie hat mich gesehen. „SHAWTY! WO ZUR HÖLLE WARST DU? WIR HABEN UNS SORGEN GEMACHT.“ „Spazieren.“ „Hättest du nicht was sagen können?!“ „Hab ich.“ Hab ich nicht. „Mir nicht.“ „Doch.“ Nicht wirklich. „Ich bin mir sicher, dass du das nicht gemacht hast.“ „Doch. Ich hab es gesagt, als wir den Seminarraum verlassen haben.“ „Und wo warst du?“ „In der Stadt.“ „Wir haben dich wie verrückt gesucht. Und meinen Mann hast du auch angelogen.“ Er stand vor der Bildungsstätte und hat auf sie gewartet. Ich wollte das Gespräch mit ihm so schnell wie nur möglich beenden und sagte zu ihm, dass ich schnell einkaufen muss, weil ich nicht weiß, wie lange die Geschäfte hier geöffnet haben. „Ich habe ihn nicht angelogen. Ich war wirklich einkaufen. Ich habe meinen Rasierer vergessen und habe mir vorhin einen gekauft.“ „Hast du was getrunken?“ Ich sehe sie an und frage mich, ob ich wirklich so verzweifelt wirke. „Nein.“ „Hast du was dabei?“ „Nein.“ „Zeig mir deine Tasche.“ „Ist das dein ernst?“ „Ja. Zeig mir sofort deine Tasche.“ Mir wird schlecht. In der Tasche ist der Schwangerschaftstest drin, den ich mir letzte Woche gekauft habe, nachdem ich mit Charly geschlafen habe. Ich wollte ihn heute morgen benutzen, habe aber angst bekommen. Was wenn ich wirklich schwanger gewesen wäre? Ich habe mir immer ausgemalt wie es wohl wäre, wenn ich ein Kind hätte, das mir auf Schritt und Tritt folgt. Ein Kind, das mich über alles auf der Welt liebt. Aber dann habe ich darüber nachgedacht, dass ich vielleicht gar keine gute Mutter wäre. Was wenn mein Kind irgendwann neben mir steht und realisiert, was für ein Versager ich eigentlich bin? Ich glaube, ich könnte mit diesem Schmerz nicht leben. ---- Ich sitze am Fluss und frage mich, warum ich mich nicht einfach ertränke. Madlen hat versucht mir Schuldgefühle zu machen. Sie hat aber nicht gefragt, warum ich gegangen bin und nicht auf die Anrufe reagiert habe. Ich würde ihr die Wahrheit auch nicht sagen. Niemandem. Sie ist enttäuscht, aber es ist mir egal. Sie mögen mich eh alle nicht. Also kümmert es mich nicht, ob sie mich gesucht haben. Es stimmt schon. Die Menschen machen sich erst Sorgen, wenn man nicht mehr da ist. Sie denken vorher aber nicht eine Sekunde lang daran, dass etwas nicht stimmen könnte. ------ Ich stehe am Empfang der Bildungsstätte und trage mich in der Liste als „wieder da“ ein. Das Mädchen mit den dummen Sprüchen, ich nenne sie jetzt Devlin (wer mal den Film „Meine Erfundene Frau“ gesehen hat, weiß, was dieser Namen bedeutet), lief an mir vorbei und meinte nur „Ach, guck mal an. Da ist Shawty. Lässt sich auch mal blicken. Aber ist ja egal, wir sind ja alle unter ihrem Niveau.“ Darf ich vorstellen? Die Anfang dreißig Jährigen heutzutage. Alle sehr erwachsen.

4.12.17 20:34, kommentieren

Werbung


Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Anreise gestern war ermüdend. Insgesamt war ich 8 Stunden lang unterwegs, obwohl nur 6 Stunden geplant waren. Als ich angekommen bin, haben die anderen gerade zu Mittag gegessen. Ich habe es leider nicht mehr geschafft und hatte daher großen Hunger. Meine Fachleiter haben mir dann Äpfel gegeben. Nicht das Beste, aber man nimmt nun mal, was man bekommt und stellt keine Forderungen. Nach dem Seminar hab ich mich mit einer Freundin aufs Zimmer verkrochen und einen Film geguckt. Ich wurde von anderen gefragt, ob ich in die Bar mitkommen möchte. Mein Herz ruft danach. Aber ich möchte wenigstens einen Vorsatz nicht brechen: bei der Arbeit wird nicht getrunken! Ich habe mir schon viel vorgenommen. Ich wollte mich nicht mehr schneiden, ich wollte keine Drogen mehr nehmen, ich wollte mich bei anderen öfter melden um sie einfach so zu fragen, wie es ihnen geht, ich wollte mich gesünder ernähren und nicht mit jedem ins Bett zu steigen, der mir das Gefühl gibt, dass er sonst unerreichbar wäre. Nichts davon hat funktioniert. Nur dieser eine. Es ist auch der einzige, der meine Existenz in Gefahr bringen würde. Wer will schon mit einem Alkoholiker arbeiten? ----- Der Morgen heute war ganz okay. Ich war müde und wollte nicht aufstehen. Gegen acht ging ich zu der Freundin, bei der ich gestern war; Madlen. Ich hab erst nach dem Essen zufällig erfahren, dass sie sich alle verabredet haben, um gemeinsam zu essen. Mich hat (wer hätte das gedacht) niemand gefragt. Aber es ist okay. Alles ist okay. ----- Wir halten einen Vortrag über die Anforderungen, die die Mitarbeiter gegenseitig an sich haben könnten. Jeder hatte drei Punkte, die er erklären soll. Und das Schicksal wirft mir mal wieder einen Stein an den Kopf: Respekt, Freundlichkeit, Zuverlässigkeit. Die Zuverlässigkeit war kein Problem. Jedoch bei der Freundlichkeit und beim Respekt war mein Kopf so leer. Ich habe es mir angewöhnt, bei Konflikten abzuschalten und den Kopf quasi neu zu starten. Ich hing vorher immer an all diesen Problemen und konnte nicht abschließen. Die Freundlichkeit erklärte ich damit, dass man sich auf jeden Fall begrüßen und bei Problemen helfen sollte, auch wenn man sich vielleicht nicht so nahe steht. Den Respekt damit, dass man, wenn jemand ein Problem hat, vernünftig antworten sollte, da es ansonsten respektlos ist und man die Person nur weiter reizt. Ich höre nicht besonders gut, aber das habe ich dann doch noch gehört: „Na ja, es kann ja nicht jeder Respekt haben.“ Natürlich kam es von ihr; von dem Mädchen, mit dem ich mich gestern gestritten habe. Zur Zeit versuchen mich alle dazu zu drängen, mich zu entschuldigen. Aber ich denke nicht im entferntesten daran. Warum sollte ich mich dafür entschuldigen, dass sie mich blamiert hat? Ich werde die Konversation hier einfach mal veröffentlichen, vielleicht übersehe ich ja etwas: „Ich verpasse meine Bahn. Hat jemand die Nummer von der Abteilung? Oder ist das Team XYZ?“ Ich war eh schon wütend. Das Ticket kostet 80€ und ich bin mir nicht sicher, ob die Bahn so kulant ist und mich trotzdem damit fahren lässt. Sie schickte daraufhin einen Smiley in den Chat, bei dem sich eine Frau die Hand an den Kopf hält. Der „Facepalm-Smiley“, der aussagen soll: „Gott, bist du dumm.“ „Du bist nicht hilfreich.“ Sie schickt die richtige Nummer in den Chat. Shawty: „Danke.“ Mädchen: „Ach so. Ok.“ „Ich meinte den Smiley. Der war einfach nur unnötig.“ „Und dennoch helfe ich dir als erstes, du Horst.“ „Spott ist nicht besonders hilfreich.“ Es ist nicht das erste Mal, dass von ihr so eine dämliche Reaktion kommt, wenn ich eine Frage stelle. Das war einfach das kleine bisschen, das das Fass zum überlaufen gebracht hat. „Da war nix an Spott. Eher eine Tatsache.“ „Ich könnte mir bei vielen Äußerungen von deiner Seite auch nur an den Kopf fassen. Aber aus Anstand macht man das nicht.“ Madlen: „Könnt ihr das nicht später im Rap-Battle klären?“ Mädchen: „Madlen, haha. Sie kann doch gar nicht rappen. Ach, Shawty, im Gegensatz zu dir, komme ich pünktlich.“ Ich bin 1,5 Stunden früher losgefahren. Für den Weg brauche ich für gewöhnlich nur 45 Minuten. Aber die Bahn kam zu spät und blieb danach mitten auf der Strecke stehen. Ich wurde wütend. Shawty: „Ganz die Harte. Gut, auf dieses Niveau muss ich mich nicht begeben.“ „Shawty, nur, weil du die Bahn verpasst hast, brauchst du deine Laune nicht an mir auslassen, liebes. Ich helfe dir wenigstens, in dem ich dir den Kontakt schicke und du bist so undankbar. Dit war aber auch die letzte Hilfe von mir.“ „Auf deine 'Hilfe' kann ich auch verzichten. Jedes Mal bekommt man dadurch nämlich einen respektlosen Spruch von dir gedrückt. Aber gut. Vielleicht brauchst du noch ein bisschen Zeit, um zu verstehen, dass das nicht richtig war. Bei den letzten Malen übrigens auch, nur so zur Info.“ „Von nem kleinen Mädchen brauche ich keinen Respekt lernen, den habe ich im Gegensatz zu dir. Aber jut. Zick mal weiter. Ciao.“ „Wenn du meinst.“ Oh ja. Man kann den Respekt förmlich riechen. Während sie mich dreimal beleidigt hat, bin ich sachlich geblieben, habe ihr sogar Zeit geben und das Gespräch verschieben wollen, damit uns beiden einfach mal durch den Kopf gehen kann, was da gerade passiert ist. Scheinbar mache aber nur ich mir Gedanken. Und die Gruppe zieht bei ihr mit. Wer hätte das gedacht. Zu mir hält niemand. Obwohl ich finde, dass ich das gut geregelt habe. Ich habe mein Problem sachlich angesprochen und wurde nicht ausfallend. ------- Ich habe mich bei meiner Therapeutin gemeldet. Ich brauche sie, sonst schneide ich mich vermutlich wieder. Ich stehe unter einem so enormen Druck, dass ich die Ausbildung am liebsten wieder hinschmeißen und gehen würde. Mein Teamleiter sagte mir, dass es gehen würde, die Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, sodass sich mir die Möglichkeit bietet, an der Therapie teilzunehmen und gesund zu werden.

4.12.17 20:25, kommentieren