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Donnerstag, 28. September 2017

Ich habe Geburtstag und bin endlich 18 geworden. Ich habe gedacht, dass ich mich dann anders fühlen würde. Unabhängig. Frei. Stark. Stattdessen sitze ich hier, starre die Blumen an, die auf dem Tisch stehen, trinke ein Glas Rotwein und weine mir die Seele aus dem Leib. Ich fühle mich so einsam. Im Stich gelassen. Vergessen. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so dreckig gefühlt habe. Mit jedem Jahr, welches ich auf dieser Erde verbringe, geht es mir schlechter. Es kommt in Schüben. Manchmal ist alles okay. Dann gibt es keine Probleme. Ich habe massenhaft Zeit, fühle mich von den Menschen in meiner Umgebung verstanden und geliebt und habe kein Druck. Und an Tagen wie diesen, einem wichtigen Tag, ist niemand da. Nur die Blumen, der Alkohol und die Klinge. Die Verlockung ist groß. Ein Schnitt würde mir so viel Last nehmen. Er würde sagen, dass es okay ist. Dass ich okay bin. Er würde den Tag in meine Haut schneiden, ihn tief eindringen und ein Teil von mir werden lassen. Er würde mich dazu bringen, mit ihm abzuschließen. Ich würde mein Blut fließen sehen. Ich würde sehen, wie das schlechte einfach aus meinen Adern fließt. Aber ich kann nicht. Ich bin stärker als all das. Ich werde weinen, schreien, fallen, trinke, kotzen und weglaufen. Aber ich werde mich nicht mehr schneiden oder verbrennen. Ich werde an meinem Leben zweifeln – aber ich werde aufstehen. Ich werde wie jedes verdammte Mal aufstehen und den Leuten, die mich am Boden sehen provozierend ins Gesicht grinsen. Ich werde sagen, dass ich das kann. Dass ich stark genug bin. Aber jetzt war ich es lange genug. Es wird Zeit, am Boden zu sein. Auch wenn ich heute Geburtstag habe. Nun zur Frage, warum es mir so dreckig geht: der Tag fing ganz gut an. Mir wurde von jedem gratuliert. Dylan hat nichts gesagt. Er weiß, dass ich Geburtstag habe, aber es interessiert ihn nicht. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht. Papa hat mir auch nicht gratuliert. Mein Opa auch nicht. Mein Onkel ebenfalls nicht. Es ist schon komisch, dass die Männer in meinem Leben sich genau an dem einen Tag, der nur mir gehört, nicht für mich interessieren. Es fühlt sich an, als würde mein Herz platzen. Es wimmert, schreit und fleht. Es fällt mir schwer zu atmen. ----- Wir haben seit 13 Uhr Dienstschluss und trotzdem sitze ich jetzt, um 16 Uhr, immer noch bei der Arbeit und schreibe an einem Bericht. Aber es ist okay. Heute hat eh keiner Zeit. Auf dem Weg nach Hause merke ich erst, wie ausgelaugt ich wirklich bin. Ich brauche jetzt einen Wein um zu entspannen. Und vielleicht ein Schaumbad mit netter Musik und ganz vielen Kerzen. ---- Und da stehen die Blumen. ---- Ich habe mir eine Pizza bestellt und schnell meine Tränen weggewischt, als es an der Tür geklingelt hat. Ich nahm mein Weinglas in die eine und mein Geld in die andere Hand und war überrascht, als dort mein großer Bruder stand. „Äh, Hi. Was machst du denn hier?“ Er guckt mich verwirrt an, beugt sich vor und gibt mir einen Kuss auf die Wange. „Du hast doch Geburtstag. Und ich wollte den Tag mit dir verbringen.“ Mein Herz bricht und ich halte meine Tränen zurück. Ich will nicht, dass er sich Sorgen macht. Er erzählt mir von seinem Tag, von seiner Freundin und dass er am Freitag mit ein Paar Freunden zu einem Theater geht. Und während er spricht, merke ich, wie ich mich entspanne. Er redet sehr offen über alles. Über den Sex, den er hat, über seine Ängste, seine Gefühle und seine Gedanken. Nicht wie ich. Ich erzähle ihm viel, ich würde ihm aber vermutlich niemals sagen, dass ich mit 8 verschiedenen Typen geschlafen und mich nur an drei Namen erinnern kann.Oder dass ich manchmal den Wunsch habe, mich vor die Bahn zu werfen. „Komm, trink mit mir ein Glas Wein.“ „XMXYH, ich trinke keinen Wein.“ „Aber ich hab Geburtstag.“ „Okay.“. Wir sind später noch raus gegangen und haben uns mit seiner Freundin und ihrem Sohn getroffen. ------29 September 2017 - 20 UhrIch stehe vor der Bar und warte auf meine Gäste. Die Drinks sind günstig und sie bleiben nicht lange. Ich habe ein Budget von 150€, komme aber nicht ansatzweise in die Nähe der Summe. Gegen Mitternacht sind wir nur noch zu dritt, aber nicht besonders lange. Ich komme darauf noch zurück. Genau um Mitternacht ertönt der Song „Happy Birthday“ aus den Lautsprechern und die nette Kellnerin kommt mit einem Kuchen, in dem eine angezündete Wunderkerze steckt, zu unserem Tisch. Die Bar war voll und alle haben geguckt, ihre Gläser gehoben und mir alles Gute gewünscht. Ich war davon so überwältigt, dass ich angefangen habe zu weinen. Es war so ein schönes Gefühl. Eine Stunde später ging dann auch Marie nach Hause und Simon und ich blieben noch eine Weile. Wir haben gequatscht und nach zwei weiteren Drinks kam er mir näher. Unsere Lippen haben sich schon fast berührt, aber ich musste an seine Freundin denken. An dieses freundliche und aufgeschlossene Lächeln, das sie mir immer geschenkt hat. Ich kann das nicht tun. Ich könnte es bei niemandem tun. Ich griff wieder nach meinem Glas und es gesellte sich ein junger Mann zu uns, der über sein Studium erzählt hat. „Und was macht ihr so beruflich?“ „Er ist KFZ- Mechatroniker und ich arbeite in der Leistungsberatung.“ „Leistungsberatung? Meinst du das Geld vom Amt?“ „So ähnlich.“ Und dann hab ich ihm erklärt, wer, wann, wie und warum jemand Anspruch auf eine Leistung hat und wo er sie beantragen muss. Nach einer halben Stunde ging auch er nach Hause und Simon und ich blieben zurück. Die Drinks wurden härter, die Musik wurde lauter und die Entscheidungen dümmer. Wir haben uns geküsst. Es kam nicht von mir. Ein schwacher Trost, ich weiß. Und wenn man bedenkt, dass ich mich darauf eingelassen und ihn danach auch geküsst habe, kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Ihr Lächeln verblasste und sein Gesicht war für mich nicht einmal mehr zu erkennen, so betrunken war ich. Ich konnte nur noch an Dylan denken. Seine weichen Lippen, diese blauen Augen und seine Art zu küssen, die mich süchtig machte. Die beiden küssen ähnlich. Aber es gibt einen Unterschied – Dylans Lippen berühren mein Herz. Simons nur meine Lippen. Gegen vier Uhr waren wir zu Hause und es kam, wie es kommen musste – wir zogen uns aus. Mir war so schwindelig, dass ich nicht auf ihm sein konnte. Es hat ihm aber nichts ausgemacht. Er hat mich auf den Rücken gelegt, mich leidenschaftlich geküsst und ging mit seiner Hand langsam unter mein Höschen. Plötzlich ein Schrei – meiner – gefolgt von Tränen. Durch mein Knie zuckt ein grauenhafter, stechender Schmerz. Er springt auf. „Oh Gott! Was ist los? Was ist passiert? Warum weinst du?“ „Meine Beine... Gott... Es fühlt sich an, als hätte ich sie mir gerade gebrochen.“ „Kann ich dir helfen?“ „Auf meinem Tisch steht eine Schmerzsalbe. Die wird den Schmerz betäuben.“ Oder ich nehme ein Paar Schmerztabletten und komme durch die Wechselwirkung um. Ich will die Pillen. Ich ekel mich so sehr vor mir selbst. Nach dem Schock hat er sich zu mir gelegt und ist eingeschlafen. Eine Stunde später werde ich wieder wach und wecke ihn. Ich will. Ich habe Lust. Ich fasse in seine Hose und massiere ihn – er wird sofort steif. Es ist erstaunlich, was ich für eine Wirkung auf ihn habe. Er küsst mich wieder und benutzt nun seine Finger, um mich zu verwöhnen. Aber er schläft nicht mit mir. Es hält nicht lange an. Er nimmt meinen Arm und dreht mich zu ihm herüber, drückt mich fest an sich und schläft ein.Ich werde das wieder gut machen. Ich werde mir dafür die Beine aufschneiden, wenn er geht. Dann sieht mich niemand mehr nackt. Der Tag ist in mir. Die Tat auf mir verewigt. Die Schuld beglichen. Trinken. Vögeln. Kotzen. Schneiden; Routine.

4.12.17 20:13, kommentieren

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05.10-09.10.2017

Montag, 09. Oktober 2017Ich sitze in dem Zug, der mich zu einem Seminar nach Dresden bringen soll. Ich hätte schon vor Stunden losfahren sollen, habe aber die Bahn verpasst. Seit dem Unwetter am Donnerstag fährt alles sehr unregelmäßig. Ich hatte mich erkundigt und das Bahnpersonal versicherte mir, dass alles reibungslos ablaufen wird. Pustekuchen. Wenn alles leicht wäre, wäre das Leben leicht. Aber das hat Gott für uns nicht vorgesehen. Aber ich denke, dass es richtig ist. Ich denke, dass es wichtig ist, die Schnauze vom Leben voll zu haben. Wer würde das Paradies verlassen wollen? Vielleicht ist das Leben genau deshalb so aufgebaut. Jeder Stolperstein soll uns zeigen, dass das Leben kein Paradies ist. Es ist ein Geschenk, um das man nicht gebeten hat. Durch die Liebe unserer Eltern, in dem Fall unserer Schenker, sind wir dazu verpflichtet, dieses Geschenk anzunehmen und uns darüber zu freuen. So ist es gut. So ist es richtig. Man soll sich über jedes Geschenk freuen, man soll dankbar dafür sein, dass sie uns an ihrem Leben haben teilnehmen lassen. Aber ich schweife ab, zurück zum Thema: Ich komme verspätet an und bange um meinen Ausbildungsplatz. Ich weiß, ich kann nichts dafür, dass sie Bahn wetterbedingt ausfällt. Aber wie heißt es so schön? Den Ausbilder kümmert es nicht. Er ist immerhin auch da. ----- Donnerstag, 05. Oktober:Ich stehe seit Stunden an einer Station und die Bahn fährt nicht. Ob das mit der Unwetterwarnung zu tun hat? Ich hoffe nicht, sonst komme ich heute nicht mehr nach Hause. Das Licht geht aus. Okay, jetzt ist es vorbei, ich komme nicht mehr nach Hause. Ich schwanke gerade zwischen „Ich rufe jemanden an, der mich abholt“ und „Ich warte lieber. Die Bahn fährt bestimmt gleich wieder los“. Nach vier Stunden ist das letzte bisschen Hoffnung gestorben, ich komme hier nicht mehr weg. Ich hoffe, Papa geht es gut. Ich hoffe, er ist heute nicht zur Arbeit gefahren. Der Rest meiner Familie muss nicht so weit fahren. Nur wir beide. Ich unterhalte mich mit einigen Passagieren der Bahn und stelle erst nach einer weiteren Stunde fest, dass der Mann, mit dem ich mich unterhalte, der Onkel meines Ex Freundes ist. „Wie geht es Alex denn?“ „Keine Ahnung ,wir haben keinen Kontakt mehr, seit dem letzten Vorfall.“ Vor zwei Jahren hatten die beiden einen Streit den sie mit Fäusten klären wollten. Alex stellte es natürlich wieder so hin, dass die Schuld an seinen Onkel ging. Obwohl jeder wusste, dass Alex selbst dafür verantwortlich war, brach die halbe Familie den Kontakt ab. Gut, wer braucht sie schon? Wir unterhalten uns weiter und werden nach wenigen Minuten von Charly abgeholt. Ich beuge mich zu ihm rüber, gebe ihm einen Kuss und flüstere ihm ins Ohr, dass er jetzt was gut hat. Er grinst. Ich weiß genau, was du jetzt willst. Und glaub mir, ich will es auch. „Wären wir allein, würdest du es jetzt schon bekommen. Hart.“ „Sehr gern.“ Ich sehe ihn an. Er passt zu 100% in mein Schema. Er ist acht Jahre älter als ich, sieht aus wie Mitte 30, hat einen Bart, wie Papa ihn immer getragen hat, ist grob und gleichzeitig liebevoll, nimmt sich, was er will, kommandiert mich herum, lässt mir aber auch meinen Freiraum, hört die gleiche Musik wie Papa, arbeitet hart und nimmt alles mit Humor. Bisher hab ich ihn nur einmal etwas wütender erlebt. Ich habe Angst bekommen, aber auch relativ schnell den Unterschied zwischen ihm und meinem Vater gesehen: Chrissy würde mir nie ein Haar krümmen. Es sei denn, es gehört zum Sex, den wir gerade haben. In meinem Kopf spielen sich die Szenen meines Vaters ab. Er schlägt zu. Einmal. Zweimal. Dreimal. Ich verliere das Bewusstsein – Ende. „Shawty? Alles okay?“ Ich habe nicht gemerkt, dass ich ihn immer noch anstarre. „Alles bestens. Wieso?“ „Du bist gerade blass geworden.“ „Ich bin nur müde. Und mir ist kalt. Das wird gleich wieder, Baby.“ Er mustert mich argwöhnisch und widmet sich wieder der Ampel, die gerade grün wurde. „Sag Bescheid, wenn du was brauchst.“ Dich. In mir. Fick mir den Schmerz weg. „Mach ich.“ Es ist halb zwei und mein Papa ist immer noch nicht da. Mein Bruder ruft mich an. „Wisst ihr schon, wo er ist?“ Nein.“ „Ist sein Handy wieder an?“ „Nein, immer noch nicht.“ Mir steigen Tränen in die Augen. Ich bin so müde von all dem. Lieber Gott; nimm mich und lass dafür meinen Vater am Leben. „Meldest du dich bitte, wenn ihr ihn gefunden habt oder selbst zu Hause seit?“ „Sicher? Ich will dich nicht wecken.“ „Ich werde nicht mehr schlafen. Ich werde mich nur etwas ausruhen.“ „Na gut. Ich melde mich.“ „Danke.“ Damit ist das Telefonat beendet. ------ Freitag, 06. Oktober Kein Anruf, keine Nachricht, gar nichts. Ich bin doch noch eingeschlafen, fühle mich aber trotzdem so, als hätte mich ein Auto angefahren. Ich mache mich langsam fertig und gehe zum Bahnhof, wo Alex Onkel mit dem Auto auf mich wartet, um mit mir zusammen zur Arbeit zu fahren. Es dauert für gewöhnlich nur 45 Minuten, bis ich da bin. Heute bin ich fast vier Stunden lang gefahren. Die Zeit ist trotzdem schnell vergangen. Ich habe die ganze Zeit an Papa gedacht. Im Radio sagten sie, dass bereits fünf Personen gestorben sind. Ich habe stumm gebetet, dass mein Papa noch lebt. Ich wiederhole es wie ein Mantra. ---- Der erlösende Anruf von Mama. Ich stürme zur Tür. Ich dürfte eigentlich nicht gehen, da wir gerade Unterricht haben, aber das ist mir wichtiger. „Mama? Wo ist Papa?“ Sie schnieft. Ich habe einen Kloß im Hals. „Mama!“ „Ich... ich weiß es nicht.“ Ihre Stimme zittert. Mir wird schwindelig. „Ich fahre nach der Arbeit zu dem Haus, in dem er zur Zeit arbeitet. Ich hoffe, dass ich ihn dort finde.“ Meine Beine lassen nach. Ich schnappe mir einen Stuhl, bevor ich Ohnmächtig werde und höre ihr weiter zu. „Ich habe mit Opa gesprochen. Er hat sich keine Sorgen gemacht. Sein Sohn könnte tot sein, verdammt nochmal und es könnte ihn nicht weniger interessieren.“ Sie hat es ausgesprochen und ich weiß genau, dass sie weinen wird, wenn sie auflegt. Sie wird sich in ihrem Zimmer einschließen, ihre Decke schnappen und leise weinen. Wie sie es immer macht. Wie ich es auch immer mache. Aber es tut gut; Tränen heilen. „Okay, Mami. Mach dir bitte einen Tee. Wir reden später weiter.“ „Okay.“ Sie legt auf und auf die Sekunde genau, fange ich an zu schluchzen. Papa ist weg. Opa ist es egal. Es ist niemand da, der mir helfen kann. Ich kann mich nicht schneiden und muss gleich wieder zurück in den Raum. Ich lasse mir Zeit, spüre, wie die Tränen unermüdlich laufen, spüre den Schmerz und die Angst. Ich wische mir mit meinem Schal die Tränen aus den Augen. Genug geweint. Zurück in den Unterricht. Ich öffne den Raum und werde mit den Blicken quasi durchlöchert. „Alles okay?“ „Alles bestens. Ich bin nur müde.“ ------ Mein Herz bebt. Der Tag war so ermüdend. Die lange Fahrt zur Arbeit, Papa, der nervige Rückweg, die kurze Nacht und jetzt der Sex mit Chrissy. Er ist unersättlich, liebt es aber, wenn ich die Sache in die Hand nehme. Er steht auf und zieht sich an. „Wo willst du hin?“ „Ich muss jetzt dringend eine rauchen.“ „Lass mich nicht allein.“ „Ich bin gleich wieder zurück.“ Bevor wir das erste Mal miteinander geschlafen haben, hat er alles für mich getan. Inzwischen setzt er seinen eigenen Kopf durch. Wenn er denkt, dass er für etwas, was er für mich tut, Sex bekommt, tut er es natürlich auch. Aber kurz darauf bin ich nicht mehr interessant. Ich schaue auf die Uhr, es ist kurz vor Mitternacht. Nicht schon wieder. Gegen 2 Uhr habe ich mich dann dazu entschieden, nach Hause zu gehen um am Morgen wieder früh das Bett zu verlassen. ----- Samstag, 07. OktoberDer Wecker reißt mich aus dem Schlaf und ich würde mich am liebsten wieder umdrehen und schlafen. Aber ich kann nicht. Heute fahre ich mit meinem besten Freund nach Hamburg. ------ 22 Uhr, Reeperbahn. Ich sehe zu, wie sie sich vor mir spritzen und mir wird schlecht. Ich habe panische Angst vor Spritzen, kann sie aber verstehen. Dieses Gefühl, dass das Zeug im inneren auslöst, ist das vollkommen wert. Wir laufen weiter. Wir suchen einen Laden mit Stripperinnen. Ich will sehen, was sie tun und wie sie es tun. Ich will sehen, wie sie sich fühlen. Ich will anhand ihres Gesichtes sehen, was sie denken. Das ist mir das Geld wert. Der Sex und die Provokation sind meine Droge. ------ 2 Uhr: Wir sitzen im Bett und schauen uns einen Film an. Ich hab zu viel getrunken und verfluche mich wieder dafür, dass ich vorher wieder nichts gegessen hab. Der Wodka verlor nach der halben Flasche seinen Geschmack, also war es nicht mehr nötig, ihn zu mischen. Ich trank ihn wie Wasser. Er küsst mich leidenschaftlich und die Lust steigt in mir. Doch so schnell, wie es angefangen hat, so schnell war es auch vorbei. „Sorry. Ich bin müde.“ „Ich auch. Dennoch komme ich nicht innerhalb weniger Sekunden.“ Er schaut beschämt nach unten. Ich lege meine Hand auf seine Wange. „Ich ziehe dich doch nur auf. Es ist schon okay. Ich hab doch Chrissy.“ „Das macht es nicht besser.“ „Wir sind nicht zusammen. Er darf auch mit anderen schlafen.“ „Sagst du es ihm?“ Ich stehe auf und laufe zur Tür, um meine Sachen zu holen. „Ich denke nicht, nein. Es geht ihn auch nichts an.“

4.12.17 20:09, kommentieren