Categories

Letztes Feedback

Meta





 

Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Anreise gestern war ermüdend. Insgesamt war ich 8 Stunden lang unterwegs, obwohl nur 6 Stunden geplant waren. Als ich angekommen bin, haben die anderen gerade zu Mittag gegessen. Ich habe es leider nicht mehr geschafft und hatte daher großen Hunger. Meine Fachleiter haben mir dann Äpfel gegeben. Nicht das Beste, aber man nimmt nun mal, was man bekommt und stellt keine Forderungen. Nach dem Seminar hab ich mich mit einer Freundin aufs Zimmer verkrochen und einen Film geguckt. Ich wurde von anderen gefragt, ob ich in die Bar mitkommen möchte. Mein Herz ruft danach. Aber ich möchte wenigstens einen Vorsatz nicht brechen: bei der Arbeit wird nicht getrunken! Ich habe mir schon viel vorgenommen. Ich wollte mich nicht mehr schneiden, ich wollte keine Drogen mehr nehmen, ich wollte mich bei anderen öfter melden um sie einfach so zu fragen, wie es ihnen geht, ich wollte mich gesünder ernähren und nicht mit jedem ins Bett zu steigen, der mir das Gefühl gibt, dass er sonst unerreichbar wäre. Nichts davon hat funktioniert. Nur dieser eine. Es ist auch der einzige, der meine Existenz in Gefahr bringen würde. Wer will schon mit einem Alkoholiker arbeiten? ----- Der Morgen heute war ganz okay. Ich war müde und wollte nicht aufstehen. Gegen acht ging ich zu der Freundin, bei der ich gestern war; Madlen. Ich hab erst nach dem Essen zufällig erfahren, dass sie sich alle verabredet haben, um gemeinsam zu essen. Mich hat (wer hätte das gedacht) niemand gefragt. Aber es ist okay. Alles ist okay. ----- Wir halten einen Vortrag über die Anforderungen, die die Mitarbeiter gegenseitig an sich haben könnten. Jeder hatte drei Punkte, die er erklären soll. Und das Schicksal wirft mir mal wieder einen Stein an den Kopf: Respekt, Freundlichkeit, Zuverlässigkeit. Die Zuverlässigkeit war kein Problem. Jedoch bei der Freundlichkeit und beim Respekt war mein Kopf so leer. Ich habe es mir angewöhnt, bei Konflikten abzuschalten und den Kopf quasi neu zu starten. Ich hing vorher immer an all diesen Problemen und konnte nicht abschließen. Die Freundlichkeit erklärte ich damit, dass man sich auf jeden Fall begrüßen und bei Problemen helfen sollte, auch wenn man sich vielleicht nicht so nahe steht. Den Respekt damit, dass man, wenn jemand ein Problem hat, vernünftig antworten sollte, da es ansonsten respektlos ist und man die Person nur weiter reizt. Ich höre nicht besonders gut, aber das habe ich dann doch noch gehört: „Na ja, es kann ja nicht jeder Respekt haben.“ Natürlich kam es von ihr; von dem Mädchen, mit dem ich mich gestern gestritten habe. Zur Zeit versuchen mich alle dazu zu drängen, mich zu entschuldigen. Aber ich denke nicht im entferntesten daran. Warum sollte ich mich dafür entschuldigen, dass sie mich blamiert hat? Ich werde die Konversation hier einfach mal veröffentlichen, vielleicht übersehe ich ja etwas: „Ich verpasse meine Bahn. Hat jemand die Nummer von der Abteilung? Oder ist das Team XYZ?“ Ich war eh schon wütend. Das Ticket kostet 80€ und ich bin mir nicht sicher, ob die Bahn so kulant ist und mich trotzdem damit fahren lässt. Sie schickte daraufhin einen Smiley in den Chat, bei dem sich eine Frau die Hand an den Kopf hält. Der „Facepalm-Smiley“, der aussagen soll: „Gott, bist du dumm.“ „Du bist nicht hilfreich.“ Sie schickt die richtige Nummer in den Chat. Shawty: „Danke.“ Mädchen: „Ach so. Ok.“ „Ich meinte den Smiley. Der war einfach nur unnötig.“ „Und dennoch helfe ich dir als erstes, du Horst.“ „Spott ist nicht besonders hilfreich.“ Es ist nicht das erste Mal, dass von ihr so eine dämliche Reaktion kommt, wenn ich eine Frage stelle. Das war einfach das kleine bisschen, das das Fass zum überlaufen gebracht hat. „Da war nix an Spott. Eher eine Tatsache.“ „Ich könnte mir bei vielen Äußerungen von deiner Seite auch nur an den Kopf fassen. Aber aus Anstand macht man das nicht.“ Madlen: „Könnt ihr das nicht später im Rap-Battle klären?“ Mädchen: „Madlen, haha. Sie kann doch gar nicht rappen. Ach, Shawty, im Gegensatz zu dir, komme ich pünktlich.“ Ich bin 1,5 Stunden früher losgefahren. Für den Weg brauche ich für gewöhnlich nur 45 Minuten. Aber die Bahn kam zu spät und blieb danach mitten auf der Strecke stehen. Ich wurde wütend. Shawty: „Ganz die Harte. Gut, auf dieses Niveau muss ich mich nicht begeben.“ „Shawty, nur, weil du die Bahn verpasst hast, brauchst du deine Laune nicht an mir auslassen, liebes. Ich helfe dir wenigstens, in dem ich dir den Kontakt schicke und du bist so undankbar. Dit war aber auch die letzte Hilfe von mir.“ „Auf deine 'Hilfe' kann ich auch verzichten. Jedes Mal bekommt man dadurch nämlich einen respektlosen Spruch von dir gedrückt. Aber gut. Vielleicht brauchst du noch ein bisschen Zeit, um zu verstehen, dass das nicht richtig war. Bei den letzten Malen übrigens auch, nur so zur Info.“ „Von nem kleinen Mädchen brauche ich keinen Respekt lernen, den habe ich im Gegensatz zu dir. Aber jut. Zick mal weiter. Ciao.“ „Wenn du meinst.“ Oh ja. Man kann den Respekt förmlich riechen. Während sie mich dreimal beleidigt hat, bin ich sachlich geblieben, habe ihr sogar Zeit geben und das Gespräch verschieben wollen, damit uns beiden einfach mal durch den Kopf gehen kann, was da gerade passiert ist. Scheinbar mache aber nur ich mir Gedanken. Und die Gruppe zieht bei ihr mit. Wer hätte das gedacht. Zu mir hält niemand. Obwohl ich finde, dass ich das gut geregelt habe. Ich habe mein Problem sachlich angesprochen und wurde nicht ausfallend. ------- Ich habe mich bei meiner Therapeutin gemeldet. Ich brauche sie, sonst schneide ich mich vermutlich wieder. Ich stehe unter einem so enormen Druck, dass ich die Ausbildung am liebsten wieder hinschmeißen und gehen würde. Mein Teamleiter sagte mir, dass es gehen würde, die Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren, sodass sich mir die Möglichkeit bietet, an der Therapie teilzunehmen und gesund zu werden.

4.12.17 20:25, kommentieren

Werbung


Montag, 02. Oktober 2017

Ich brauche einen neuen Namen für mich. Ich will hier nicht ständig „XMXYH“ schreiben. Da ich zur Zeit eh einen heftigen Ohrwurm von einem bestimmten Lied habe, und der Typ das Mädchen dort „Shawty“ nennt, nenne ich mich hier auch mal so. Viel Spaß beim Lesen; Shawty war wieder böse: Es regnet und ich will trinken. Ich hatte am Wochenende so viel Spaß – bis auf den Vorfall mit Simon natürlich. Ich habe viel getrunken, habe die Kontrolle verloren, konnte nicht nachdenken und habe einfach nur mein Leben gelebt. Das passiert so selten, dass es mich süchtig macht. Ich finde es aber auch traurig. Andere genießen das Leben täglich auf diese Weise. Ich schalte nur mit Alkohol und Drogen ab. Und selbst dann ist noch nicht klar, ob das wirklich funktioniert. Ich fühle mich schon wieder so ungeliebt, obwohl mir so viele Menschen hinterher laufen. Und wieder habe ich nur eins im Kopf: Dylan. Ich habe wirklich gedacht, dass das aufhört. Ich weiß, es ist nicht lange her, aber es tut weh. Ich habe mich zwischendurch bei ihm gemeldet und er hat mich ignoriert. Bin ich ihm wirklich so wenig wert? Nach all dem? Nach den süßen Blicken? Den roten Wangen? Den Verführungen? Den Tagen, an denen er nur zu mir gekommen ist, weil es mir schlecht ging? Kein Sex, nur reden. Das habe ich ihm gesagt, bevor er zu mir gekommen ist. Und er war da. Er hat mich an diesem Abend erst geküsst, nachdem er mich gefragt hat, ob ich das möchte.Würde das jemand tun, der so gut aussieht und praktisch jeden haben kann? Nein. Ich bin das nicht wert, wenn man mich nicht gern hat. Aber er mag mich ja nicht. Gott, was hat er nur in mir gesehen? Hat er überhaupt etwas in mir gesehen? Ich verstehe ihn einfach nicht. Ich verstehe gar nichts mehr. -----Ich sitze bei Charly auf der Couch, genau wie ich es gestern getan habe. Ich war mit meinem besten Freund in Berlin und kurz darauf bei meiner Oma, um die Blumen abzuholen, die mein Bruder mir geschenkt hat. Charly hat mich gefragt, ob ich noch vorbeikommen möchte, da er sich mit ein Paar Freunden Football angesehen hat, daraufhin bin ich gegen halb 9 zu ihm gelaufen. Ich weiß nicht einmal, warum ich das gemacht habe, ich mag Football nicht. Und jetzt sitze ich wieder hier, nippe an meinem Glas Wodka-Energy und unterhalte mich mit seinen Freunden und seiner Schwester. Er sieht ständig zu mir rüber und jedes Mal ist es mir unangenehm. Er steht auf mich, seit meinem neunten Lebensjahr, um genau zu sein. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass das möglich ist. Ich sah früher wirklich schlimm aus. Ich sehe jetzt auch nicht wirklich gut aus, zumindest bin ich nicht zu 100% zufrieden, aber früher war es wirklich schlimm. Er ist acht Jahre älter, was aber nicht schlimm ist. Sie sind immer älter als ich. Ich hab Vaterkomplexe. Das kann man auch sehr gut an meinen Ex-Freunden und den Typen sehen, mit denen ich geschlafen und ihren Namen vergessen habe. Ich kippe ein Glas nach dem anderen und merke, wie der Wodka meinen Kopf schwer werden lässt. Er verlässt den Raum und ich entspanne mich. „Sag mal, hat dein Bruder auch noch Saft da?“Ich muss wieder nüchtern werden, sonst stelle ich nur Blödsinn an „Keine Ahnung. Frag ihn doch?“ „Okay. Soll ich dir einen mitbringen, wenn er welchen hat?“ „Nein, danke.“ Ich laufe zur Tür und lehne mich gegen die Wand, weil ich sonst das Gleichgewicht verliere. Ich weiß nicht, ob er auf dem Klo oder in der Küche ist, also bleibe ich einfach im Flur stehen. Er verlässt das Bad und erschreckt sich, als er mich sieht. „Ich hab dich gar nicht gehört.“ „Ich hab ja auch nichts gesagt.“ Ich stoße mich von der Wand ab und gehe einen Schritt auf ihn zu. Er grinst mich an, tritt beiseite und fragt, ob ich auf die Toilette möchte. „Nein. Ich wollte fragen, ob du Saft hast.“ „Saft? Sehe ich so aus, als hätte ich Saft?“ Er lacht. „Ich weiß nicht. Tust du das?“ Er geht einen Schritt auf mich zu und mir wird heiß. „Was passiert, wenn ich dich jetzt küsse?“ Ich habe keine Zeit um zu antworten. Ich will es auch nicht. Seine Lippen sind weich und sein Bart kitzelt mein Kinn. Aber ich liebe dieses Gefühl. Ich löse mich von ihm und gehe ohne ein Wort zu sagen zum Wohnzimmer zurück. „Dein Bruder hat keinen Saft. Kannst du dir das vorstellen?“ Ich werfe ihr einen bösen Blick zu, drehe mich um und schenke Charly ein süßes Lächeln. Bloß nichts anmerken lassen.Wir trinken weiter, reden über alle möglichen Themen und spielen ein komisches Spiel auf der Konsole. Gegen halb zwei sind nur noch Charly und ich da. Er erzählt mir von sich, von seinem Leben, seinen Ex-Freundinnen, davon, dass er früher gern beim Sport war und wieder anfangen möchte und zeigt mir auf Anfrage ein Bild von seinem Körper, als er noch trainiert hat. Zwischen all den Bildern des wohlgeformten Körpers waren ein Paar Aktbilder, die er panisch schließt. Mein unteres ich meldet sich zu Wort. Ich küsse ihn. Erst leidenschaftlich, dann wild. Er packt mich, trägt mich zum Bett, legt mich sanft hin und legt sich auf mich. Es dauert nicht lange, bis wir miteinander schlafen. Er dringt immer tiefer ein, wird immer härter. Gott, wie ich dieses Gefühl vermisst habe. Seine Stöße werden härter und dennoch ist er so zärtlich. Er beißt in meinen Hals und ich stöhne auf. Stellungswechsel. Er kommt von hinten, packt meine Hüften und stößt erbarmungslos zu. Dringt tiefer ein als vorher. Ich spüre diesen Schmerz und werde immer feuchter. Er beugt sich zu mir. „Du bist so eng, Shawty.“ „Findest du?“ Ich drücke jeden Muskel zusammen, den ich in diesem Bereich zusammendrücken kann. Er stöhnt. „SHAWTY! Oh Gott!“ „Komm, Charly. Leg dich hin. Ich zeig dir, was ich alles kann.“ Kaum ausgesprochen, fällt mir auf, wie kindisch das klingt. Er gehorcht und ich tobe mich aus. Drei Stunden mit dem Vorspiel zusammen – bis sich seine Hände in meinen Hüften vergraben und er sich ein Stöhnen verkneift. Ich wäre auch fast gekommen. Aber eben nur fast. Ich küsse ihn. „Gern geschehen, Baby.“ Er lacht leise. ------ „Wir müssen unbedingt zur Apotheke.“ „Ich weiß. Wir fahren gleich los.“ Er gibt mir einen flüchtigen Kuss und verlässt das Zimmer. Warum sind alle so, mit denen ich was habe? Warum sind sie am nächsten Tag so abweisend? Warum sind sie so kalt? ---- „Was würdest du machen, wenn du schwanger bist?“ „Wie meinst du das?“ Ich sehe aus dem Fenster und betrachte die Bäume. „Na ja.. wirst du es behalten?“ „Ich glaube, ich stürze mich lieber die Treppen runter und breche mir das Genick.“ Er lacht. „Möchtest du es denn behalten?“ Ich antworte nicht, schaue weiter aus dem Fenster. „Ich bin bereit, Vater zu werden. Bei dir bin ich mir nicht so sicher.“ Ich sehe ihn an. „Ich will auch noch keine Kinder haben.“ „Ich wollte es ja nur gesagt haben.“ „Gut. Dann stell ich das Kind vor deiner Haustür ab und du kümmerst dich darum.“ Seine Miene verfinstert sich. Das Schweigen erdrückt mich noch. „Gehen wir am Freitag noch ins Kino?“ Diese Frage scheint ihn zu überraschen. „Natürlich.“ Und da ist es wieder – dieses Gefühl, dass ich versagt habe.

4.12.17 20:18, kommentieren