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Samstag, 12. August 2017

Es ist dunkel, wie spät ist es? Halb sieben. Der Tag wird scheiße. Ich will nicht aufstehen, ich will nichts machen, ich will nicht atmen, ich will nicht leben. Ich will schlafen, bis alles vorbei ist. Schlafen, bis ich den Schmerz meiner Eltern, Dylan und meiner Dämonen verschlafen habe. Ich will das alles nicht mehr spüren. Ich habe es so satt. Ich habe viel darüber gelesen, was mit Menschen passiert, die in ihrer Kindheit missbraucht wurden. Ich will nicht so enden. Ich will nicht einmal im Traum daran denken, mein Fleisch und Blut zu schlagen. Ich will meine Beziehungen nicht weiterhin vermasseln. Ich will nicht denken, dass ich das alles verdient habe, denn das habe ich nicht. Ich drehe mich um und versuche noch einmal zu schlafen. Erst um zehn Uhr werde ich wieder wach, bleibe aber weiterhin liegen und starre die Bettseite an, auf der Dylan geschlafen hat. Ich stelle mir sein Gesicht vor, seine weichen Lippen und diese wundervollen blauen Augen. Ich stelle mir vor, wie er aufwacht und mich anlächelt. Wie er bei meinem Anblick wieder errötet. Aber die Erinnerung verblasst. Und das bedeutet, dass auch der Schmerz verblassen wird. Ich muss hier raus. Sofort. Sonst werde ich noch irre. ------- Wir sind auf dem Weg nach Berlin, um die Eintrittskarte zu „Farbgefühle“ in Berlin zu verkaufen. Wer hätte gedacht, dass es so schwer sein wird, die Dinger loszuwerden. Ich packte meinen Mut zusammen und mein schönstes Lächeln aus. Ich ging freundlich auf die Menschen zu und fragte sie, ob sie zufällig noch eine Karte bräuchten oder einen Freund haben, der gerne dabei gewesen wäre, aber keine Karte mehr bekommen hat. Viele verneínten. Erst nach 1,5 Stunden fanden wir jemanden. Die Mühe hat sich gelohnt. Wir haben jemanden glücklich gemacht und haben das Geld zurückbekommen. Als wir zum Alexanderplatz fahren wollten, habe ich Marie in der Menge zur U-Bahn verloren. Da jemand dicht neben mir gelaufen ist, dachte ich, dass sie es ist und streckte meine Hand aus, um ihre zu greifen. Aber das war sie nicht. Neben mir stand ein Junge, vielleicht 18 Jahre alt. Ich suchte sofort nach Marie. „O Gott, da bist du also. Ich wollte gerade die Hand von dem Typen da nehmen, weil ich dachte, dass es deine ist.“ Beide fingen laut an zu lachen. Am Alexanderplatz dann die Begegnung mit dem zweiten Jungen: 18, vielleicht 19. Marie packte mich am Arm und meinte total aufgeregt: „Wie er dich gerade angeguckt hat! Er hat dich von oben bis unten gemustert!“ „Ach, bestimmt nicht.“ Ich sah ihn mir an. Gott, sieht er gut aus. Und heute habe ich ein Outfit an, das meine Figur betont. Sprich mich an, bitte. Aber er tut es nicht. Wir bleiben noch eine Weile stehen, da ich im Internet nach veganen Restaurants suche und an dieser Stelle gerade gutes Netz habe. „Er guckt immer wieder zu dir rüber!“ „Marie.. wenn er Interesse hätte, würde er mich ansprechen.“ Aber er tat es nicht. Es ist schon okay. Ich würde mich auch nicht ansprechen. -------Ich bin unterwegs zu Manu, um weiter „Game of Thrones“ zu sehen. Während des Filmes nahm er mich in den Arm. Er wusste, dass ich wieder nur an Dylan denke. Und ich wusste, dass er nur an seine Ex denkt. Es verläuft bei uns beiden immer wieder gleich ab. Werde ich verlassen, wird er verlassen. Verlasse ich jemanden, verlässt er jemanden. Und jedes Mal bauen wir uns gegenseitig auf, nehmen uns in den Arm und trösten uns. Uns ist nichts peinlich. Warum auch? Wir leiden beide. Er diesmal etwas mehr als ich, da er sie kannte. Ich kenne Dylan ja nicht wirklich. Ehrlich gesagt weiß ich kaum etwas von ihm und habe doch das Gefühl, ich würde alles wissen, was man über ihn wissen sollte. Ich denke, dass es daran liegt, dass ich sonst jeden analysieren muss, es aber bei ihm noch nicht kann, da für mich ein großes Rätsel ist. Schon komisch. Ich habe ihn nackt, schlafend und wütend gesehen. Aber noch nie verletzt. Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass er mich an seinen Gefühlen teilhaben lässt.

13.8.17 17:52, kommentieren

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Freitag, 11. August 2017

Ich werde durch ein Lachen, das durch meine Wohnung hallt, geweckt. Das kuriose daran: ich bin allein zu Hause und habe es mir auch nicht nur eingebildet. Es hat tatsächlich jemand gelacht. Und zwar ich. Ich bin mal wieder nur im Halbschlaf und in diesem Zustand bekomme ich mit, was in meiner „Wachwelt“ passiert, schlafe aber auch gleichzeitig. Ich kann mich nicht bewegen, kann nicht kontrolliert sprechen oder die Augen öffnen. Ich träume sogar noch gleichzeitig, kann aber einen klaren Gedanken fassen, der auch mal vom Traum abweichen kann. Ganz interessant, eigentlich. Das ist meiner Meinung nach sogar das interessanteste an mir. Ich werde nicht die einzige sein, die das kann, da bin ich mir sicher. Aber die Tatsache, dass ich das auch kann, macht mich unglaublich stolz. ------ Ich sitze wieder auf der Couch und überlege, wie ich mein Wochenende verbringen soll. Es steht absolut nichts an, ich will aber auch nicht zu Hause sitzen. Wenn ich zu Hause bleibe, denke ich an Dylan und bin deprimiert. Vielleicht gehe ich einfach zum Sport und verdopple alle meine Übungen. Aber schaffe ich das überhaupt? Ich hab einen ganzen Tag lang Zeit. Ich denke, dass das gehen wird. Ich muss nur die nötige Motivation dafür aufbringen. Das letzte Stück davon verschwand mit Dylan aus meinem Leben. Gott, wie lange ist es her? Wie lange habe ich schon nichts mehr von ihm gehört? Seit Dienstag haben wir keinen Kontakt mehr, glaube ich. Die Zeit ohne ihn kommt mir so endlos vor. Ich habe das Gefühl, dass ich es schon vor Wochen beendet und seit dem nichts mehr von ihm gehört habe. Aber so ist das halt, wenn man verliebt ist. Die Zeit vergeht rasend schnell, wenn man sich in die Augen sieht und scheint beinahe stillzustehen, wenn man nicht beieinander ist. Und wenn man Liebeskummer hat, fühlt es sich so an, als würde man in einer Sekunde sein ganzes Leben leben können. Sie vergeht einfach nicht. Nur das dumpfe Gefühl, das Hämmern im Herzen, der Duft seines Parfüms und der Klang seiner Stimme bleibt. Aber eben nur noch in der Erinnerung. Und da das alles ist, was ich habe, schwebe ich noch etwas in ihr, bis meine innere Stimme mich anschreit und sagt, dass es reicht. ------ Ich bin bei einem Freund zu Hause. Der, den ich letztes Jahr kennengelernt habe, als mein Ex mich betrogen hat und bei dem ich meine Sachen anprobiert habe. Ich nenne ihn mal Manu. Wir haben uns „Game of Thrones“ angesehen, bis er mich irgendwann ärgern wollte und mich gekitzelt hat. Alles kein Problem. Aber irgendwann zog er mich auf seinen Schoß und hielt mich an der Hüfte fest. Ob Dylan gerade das gleiche mit einer anderen macht? Mir wird schlecht. Er zog mich an sich heran und ich umarmte ihn. Ich wusste nicht, was ich sonst machen soll. Ich will ihn nicht küssen. Ich will auch nicht mit ihm schlafen. Ich will nicht nach Hause kommen und mich vor mir selbst ekeln, weil ich schon wieder mit jemandem geschlafen habe, den ich nicht attraktiv finde.Aber er hat es Gott sei dank nicht getan. ------- Ich sitze wieder auf der Couch und denke über Dylan nach. Es ist Freitagabend und während ich zu Hause sitze und an ihn denke, schläft er bestimmt gerade mit einem Mädchen, das er gerade auf irgendeiner Party oder Sauftour kennengelernt hat. Er wird keinen einzigen Gedanken an mich verschwenden, während meine fast ausschließlich von ihm handeln. Und das tut weh. Ich wünschte, ich hätte das alles nie zugelassen. Auch wenn es wirklich schön war, diesen Schmerz und den Scham ist es mir nicht wert. Um ehrlich zu sein, stelle ich mir oft vor, dass er vor meiner Tür steht und mir sagt, dass er mich vermisst und es ein großer Fehler war, mich gehen zu lassen. Aber es wird niemals dazu kommen. Er wird auch nicht an mich denken. Nicht heute, nicht morgen, nicht in zwanzig Jahren. Mal ganz ehrlich: Wenn uns jemand sagt, dass er Gefühle für uns hat, wir aber absolut nichts für ihn empfinden, wie oft denken wir an ihn? Richtig, kaum bis gar nicht. Die Dinge, die wir zusammen erlebt haben, erinnern uns nicht an diese Person. Die Orte, an denen wir mit ihnen waren, sind einfach nur Orte. Für den, der aber Gefühle entwickelt hat, ist es anders. Die Person geistert ihm den ganzen Tag im Kopf herum, die Erlebnisse sorgen dafür, dass die Sehnsucht einen von innen auffrisst und die Orte, an denen man zusammen war, lassen einen einsam werden. Aber wie gesagt, nur eine Partei bekommt es mit. Die Tatsache, dass alle meine Freunde sich eher um ihre eigenen Probleme kümmern und es ihnen egal ist, wie es mir geht, sie mir absagen und mich stehen lassen, macht es mir noch schwerer. Ich merke langsam, wie mich die Einsamkeit in den Bann zieht und nicht mehr loslassen will. Ich bin, wie Sierra Kidd es so schön gesagt hat: Alleinsam.

13.8.17 17:51, kommentieren